DDR-Kirchengeschichte nicht vergessen!

DDR-Kirchengeschichte nicht vergessen!

Neulich, beim Tag der Stadtnatur, habe ich eine Gruppe von elf Leuten durch den Auwald an der Stellau geführt. Es ist eines der Biotope, wo der Bach noch mäandert und Schwarzerlen mit ihren mächtigen Wurzeln am Uferrand wachsen. Wir trafen uns vor dem Interkulturellen Gemeinschafts-Garten (INGA) in Großlohe - mit Blick auf den Funkturm am Höltigbaum  samt Tunneltal.

Und schon waren wir mittendrin in der Erdgeschichte, als vor 18.000 Jahren bei der letzten Weichsel-Eiszeit die bis zu 300 Meter dicken Gletscher in unserer Region zu schmelzen begannen. Das Gletschertor befand sich damals auf dem heutigen Gebiet der Birrenkovenallee. 

All das ist einige 1000 Jahre her. Andere Ereignisse, die unser Leben prägen, nicht so lange – und doch scheinen sie so weit weg zu sein wie die letzte Eiszeit. Ich meine die Friedliche Revolution in der DDR 1989 und die Wiedervereinigung. Hört man sich bei Kirchenleuten um, dann gibt es gegenwärtig wichtigere Themen als diese. Doch mit einer solchen Sichtweise gerät etwas ins kollektive Vergessen, das Teil der gesamtdeutschen Geschichte ist: die Erfahrungen der Christinnen und Christen in der DDR und die Rolle ihrer  Kirchen. Auch in den Wandsbeker Kirchengemeinden sind Christen engagiert, die ihre geografischen Wurzeln in der DDR haben. Während sie noch kurz nach dem Mauerfall von den „Wessis“ mit vielen Fragen konfrontiert wurden, so ist das Interesse heute praktisch Null. Vieles wird nun als selbstverständlich genommen – wie die Sitzungsräume im EKD-Kirchenamt in Hannover zum Beispiel. Sie heißen seit den 1980er Jahren „Schwerin“, „Magdeburg“ und „Eisenach“ und bezeichnen den Dienstsitz der damaligen Gliedkirchen. Bis heute wird im EKD-Kirchenamt die Entstehungsgeschichte dieser Räume als Zeichen geschwisterlicher Verbundenheit nicht erläutert, etwa mit einem QR-Code. Dabei sollten wir auch heute noch immer wieder über unsere Erfahrungen in Ost und West reden und das historische Wissen der DDR-Kirchengeschichte in unseren  Kirchengemeinden weitergeben. Die Zeit vergeht schnell, und „tausend Jahre sind vor dir wie der Tag“ (Ps. 90).

 

Edgar S. Hasse,

promovierter Theologe und

Prädikant der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde  Alt-Rahlstedt