Das Gute loben Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Psalm 103,2

Wie oft wird die Dankbarkeit Opfer unserer Achtlosigkeit und Vergesslichkeit! Nehmen wir noch wahr, wofür wir dankbar sein können? Oder nehmen wir das Gute, das uns im Leben widerfährt, für selbstverständlich und klagen nur über das Schlechte?

Der Psalmbeter muss eine ähnliche Erfahrung gemacht haben, wenn er seine Seele zum Gotteslob auffordert und dazu, dass man sich bewusst machen soll, was man an Gutem von Gott empfangen hat.

Der Wandsbeker Dichter Matthias Claudius (1740 – 1815) hat dazu ein wunderbares Gedicht geschrieben, in dem er an seinen Schöpfer einen besonderen Lobpreis richtet. Und wofür lobt der Dichter Gott?  „Ich danke Gott, und freue mich/Wie’s Kind zur Weihnachtsgabe,/Daß ich bin, bin! Und daß ich dich,/Schön menschlich Antlitz habe;“ Sein Geschenk ist er selbst!

Und er hat genug an sich selbst, ohne den Anspruch auf irdisch Höheres: „Ich danke Gott mit Saitenspiel,/Daß ich kein König worden;/Ich wär geschmeichelt worden viel,/ Und wär vielleicht verdorben.“ Ihn stört auch nicht, dass er kein reicher Mann geworden ist. „Denn Ehr und Reichtum treibt und bläht,/Hat mancherlei Gefahren,/Und vielen hat’s das Herz verdreht,/Die weiland wacker waren.“

Das klingt, wie aus einer anderen Welt und passt nicht in unsere Zeit. Was will der Dichter dann? „Gott gebe mir nur jeden Tag,/Soviel ich darf zum Leben./Er gibt’s dem Sperling auf dem Dach;/Wie sollt er’s mir nicht geben!“

Der Dichter setzt nicht auf materielle Werte und auf Selbstverherrlichung, sondern auf eine Versorgung aus Gottes Hand. Das ist nicht nur für uns heute ein ungewöhnlicher „Ansatz“ zur Lebensbewältigung. Das war er auch schon zur Zeit von Matthias Claudius. Wir können nur staunen über so viel poetische Dankbarkeit.                                                                                                         Jürgen Wehrs

 Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde

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