Der Januar ist ein merkwürdiger Monat. Die Feiertage sind vorbei, die guten Vorsätze oft schon brüchig und das Jahr liegt noch wie ein unbeschriebenes Blatt vor uns. Draußen ist es grau, drinnen wächst die Sehnsucht nach Licht. Der Morgennebel hängt über den Häusern, das Jahr tastet sich langsam voran. Eine Zeit zwischen den Zeiten.
Solche Zwischenräume kennt auch die Bibel. Vierzig Jahre zieht das Volk Israel durch die Wüste – nicht mehr in der Sklaverei, aber auch noch nicht im gelobten Land (2. Mose 16 ff.). Es ist eine Zeit des Wartens, Zweifelns und Lernens. Auch Jesus zieht sich zu Beginn seines Wirkens vierzig Tage in die Einsamkeit zurück (Matthäus 4,1–2). Bevor etwas Neues beginnt, steht oft das Innehalten.
Geduld gehört nicht zu den beliebtesten Tugenden unserer Zeit. Wir möchten planen, absichern, vorankommen – auch hier bei uns, zwischen Arbeit, Familie und vollen Terminkalendern. Die Bibel setzt einen anderen Akzent. „Alles hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“, heißt es im Buch Kohelet (Prediger 3,1). Dieser Satz entlastet. Er erlaubt, dass manches noch offenbleiben darf.
Gott begegnet den Menschen in der Bibel selten im Lauten. Der Prophet Elia erfährt Gottes Nähe nicht im Sturm oder Erdbeben, sondern im „sanften, leisen Säuseln“ (1. Könige 19,12). Vielleicht liegt darin eine Einladung für diese Januartage: genauer hinzuhören – auf das, was uns bewegt, und auf das, was uns trägt.
Der Januar muss kein Monat der großen Taten sein. Er darf ein Raum des Atemholens sein, auch mitten im Alltag. Zwischen den Zeiten müssen wir nichts beweisen. Es genügt, unterwegs zu sein – im Vertrauen darauf, dass Gott auch die unscheinbaren Wege begleitet. Und dass aus dem Stillen heraus Neues wachsen kann. Du bist nicht allein.
Ihre Regina Wysocki
Regina Wysocki,
Kirchengemeinde Alt-Rahlstedt
Tel. Nr. 677 84 28