Geh aus mein Herz…
... und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit. So singt es der Choral von Paul Gerhard. 15 Strophen lang erklingt der Dank für die Schönheit der Schöpfung, für prächtige Gärten und Pflanzen und Tiere. Lerchen und Tauben singen das Lob Gottes. Bienen sammeln Honigspeise. Der Weizen wächst mit Gewalt, zur großen Freude von Jung und Alt. Die Hoffnung auf Lebenssinn und Lebensglück findet sich in dem Bild, dass ich ein guter Baum im Reich Gottes werde, mit saftigen Früchten und kräftigen Blättern.
Ich mag den Sommer. Gerne an der Ostsee. Und ich verstehe die Urlauberinnen und Urlauber, die hier im Norden ihre Seele baumeln lassen. Mancher hat es vielleicht bitter nötig. Denn Sommerzeit ist Zeugniszeit. Toll, wenn sich die Einsen und Zweien häufen. Höchstes Lob, summa cum laude, für diejenigen, die das erarbeitet haben. Was aber, wenn das Zeugnis des Lebens quittiert: Ausreichend oder gar mangelhaft, wenn nicht krass ungenügend.
Zeugnis unserer Fußball-Männer? Jedenfalls die ernüchternde Erkenntnis: Nach der Vorrunde war dann schnell Schluss. Zeugnis für unsere Regierung? Schmerzhafte Reformen sind angepackt, aber der Erfolg muss sich erst noch erweisen. Zeugnis für den Weltfrieden? Viel zu viel Willkür, Hass, Aggression.
Was also tun? Ich bin kein Freund von Nachsitzen oder Nachschulung in den Ferien. Es braucht wirklich freie Zeit zum Nachdenken. Dann schöpfe ich hoffentlich neue Kraft und gehe mit frischem Elan ans Werk. Ich vermeide alte Fehler und Faulheit und finde neue Erkenntnis und neue Lösungen. In diesem Sinne wünsche ich eine erholsame und auch freudige Sommerzeit!
Ihr Pastor Karsten Fehrs