Der Kern unseres Glaubens
Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.
Epheser 2,8
Für den Reformator Martin Luther war „Gnade“ ein zentraler Begriff in seinem persönlichen Glaubensleben. Bei seiner Suche nach einer Antwort auf die Frage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? kam er zu dem Ergebnis, dass er von sich aus vor Gott kein vollkommener Mensch und Christ werden konnte. Mochte er sich auch noch so anstrengen, alle diesbezüglichen Versuche waren zum Scheitern verurteilt. Die Einsicht, dass er hier selbst nichts ausrichten konnte, führte ihn zu der Erkenntnis, dass er sich Gottes Gnade nicht verdienen konnte. Sie wurde ihm von Gott geschenkt.
Diese Erkenntnis wurde zu einer tragenden Säule seines Glaubens: Sola gratia, (allein aus Gnade). Das führte dazu, dass sich Luther nicht mehr um verlorener Liebesmüh willen abstrampeln musste. Er durfte sich auf die Gnade Gottes verlassen, die ihn nicht zu Fehlleistungen ermunterte, aber ihm verzieh und bei aller Unvollkommenheit neue Kraft schenkte, wenn er um Vergebung bat. Das war ein Befreiungsakt. Wer seine Fehler, sein Versagen, seine Schuld bei Jesus abladen kann, darf auf Vergebung hoffen.
Ist das für uns heute eigentlich noch ein Thema? Brauchen wir noch einen gnädigen Gott? Bei eigenen Fehlleistungen und eigenem Versagen suchen wir die Schuld gern bei anderen. Irgendein Sündenbock lässt sich immer finden. Nur damit weichen wir dem Problem aus und belügen uns möglicherweise selbst, wenn wir es mit dem Glauben ernst meinen. Es macht den Kern unseres Glaubens aus, wenn wir uns für die Gnade und Liebe Gottes öffnen können und wollen.
Jürgen Wehrs
E-mail: juergen.wehrs@gmx.de